Meine QO-100 Anlage.

In den 1970er Jahren war ich bereits über die AMSAT-Satelliten mehrere Jahre QRV. Das war eine irre Zeit, man musste rechtzeitig während des Überfluges an der Station sein. Die SE/Antennen wurden in Azimut und Elevation von Hand oder über 2 Rotore nachgeführt. Mit Hilfe von Schablonen und Tabellen waren die Bahndaten rechtzeitig zu ermittelt. Der Betrieb fand wie heute im Crossbandbetrieb, entweder auf 2m/70cm oder auf 2m/10m statt. Die Zeiten für ein QSO waren recht knapp bemessen. Je nach Elevation des Überfluges, standen nur wenige Minuten für den Funkbetrieb zur Verfügung. Damals träumten wir bereits von einem "Geostationären AFU-Satelliten". Aber es sollten noch mehrere Jahrzehnte vergehen bis es soweit war.


Für einen Neueinstig über den QO-100 hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich mich zum Aufbau einer Anlage für den QO-100 entschlossen hatte. Einerseits war es ein Problem einen geeigneten Standort im Grundstück zu finden. Anderseits behinderten einige große Bäume den freien Blick zum Satelliten. Einen geeigneten Standort konnte ich nur mitten im Garten ermitteln. (was meiner xyl nicht sonderlich gefiel) Ausserdem wären mehr als 20 m Koaxkabel erforderlich gewesen und bei 2,4 GHz geht dabei sehr viel HF verloren. Auf das Hausdach wollte ich nichts bauen, zumal es später Probleme gibt, wenn etwas geändert, oder ein Bauteil erneuert werden muss. Im fortgeschrittenen Alter ist das Arbeiten auf dem Dach mit allerlei Mühen und Gefahren verbunden. Also blieb alles erst einmal liegen. So vergingen viele Monate bis ich mich dann im Herbst 2020 entschloss, das Thema nochmals aufzugreifen. Am Rand meines Grundstückes, in einer Hecke, fand ich einen Standort der geeignet war. Aber auch hier waren wieder mehr als 20 m Koaxkabel erforderlich. Bei einem Gespräch mit Franz-Josef DH1NAS kam der entscheidende Tipp. "Du kannst doch den Adalm Pluto über LAN steuern" lautete sein Tipp. Naja, im Haus war mir das schon klar, aber manchmal ist man blockiert. Auf die Idee, die Anlage im Aussenbereich über ein LAN-Kabel zu steuern, war ich einfach nicht gekommen. Die Idee reifte und ich stellte mir vor, die gesamte Elektronik in ein wetterfestes Gehäuse zu bauen und "Outdoor" über das LAN-Kabel zu steuern. Das hat ausserdem den großen Vorteil, dass durch die sehr kurzen Koaxkabel so gut wie keine Sendeleistung verloren geht. So musste ich nun erst einmal den Spaten ansetzen und am ausgesuchten Standort ein Loch graben. Bei meinem Metallhändler fand ich ein passendes Aluminium-Rohr mit 48mm Ø. Mit zwei Sack Fertigmörtel war der Mast eingegraben. Wie sich jedoch herausstellte, war ein dicker herabhängender Ast der nebenstehenden Eiche in der Richtung zum Satellit im Weg. Mit hilfe einer langen Baumsägen fiel er der freien Sicht zum Opfer. In der Zwischenzeit hatte ich mich mit der benötigten Hardware beschäftigt. Es gibt ja unzählige Lösungen um auf QO-100 QRV zu werden. Man kann fertige Transverter  z.Bsp. bei der Fa.Kuhne https://www.kuhne-electronic.de/de  kaufen oder die Komponenten aus Bulgarien von der Fa. SG-Lab https://www.sg-lab.com/amateur.html bestellen. Wobei die Lösung von Kuhne schon einige Euro kostet. Auch bei SG-Lab kommen schnell 250.00 € zusammen. Bei beiden Lösungen ist noch kein TRX dabei. Sicher spielen auch persönliche Überlegungen eine Rolle, sowie die örtlichen Gegebenheiten.
Nach einiger Überlegung und Gesprächen mit Sandor DM4DS habe ich mich für eine Lösung mit dem „Adalm Pluto“ als TRX entschieden. https://www.analog.com/en/design-center/evaluation-hardware-and-software/evaluation-boards-kits/adalm-pluto.html#eb-overview
Sandor
lieferte mir einen modifizierten Pluto mit einem besseren TCXO mit 0,2ppm. Eine  kleine Platine für die PTT Steuerung musste noch zusätzlich eingebaut werden. Als Netzteil benutze ich ein Dreifach-Netzteil RT125D  mit 5V/12V und 24 Volt von der Firma Meanwell.

Netzteil


S
ende- und Empfangsantenne.
Als Spiegel dient ein ausgedienter 80 cm Offset Spiegel von der Fa.Kathrein. Für den Empfang benutze ich ein LNB vom Hersteller „Octagon“. Modell: „OTLG Green HQ“. Bei Ebay ca. 12.00 €. Dieses LNB- hat eine relativ hohe Frequenzstabilität und eine geringe Rauschzahl von nur 0,1dB.
Als Sendeantenne habe ich mir eine Helix nach https://h05.bplaced.net/wordpress/?p=1533 gebaut. Für passende Antennen sind unzählige Lösungen im Netz zu finden.


         

                   Oktagon LNB                                                  Helix Antenne                                                            Anpassleitung

Der Aufbau der Helix erfordert, für eine korrekte Funktion auf 2,4 GHz, unbedingt eine Möglichkeit das SWR zu messen. Gut eignet sich dafür der neue Nano-VNA V2 für 59.00 $ von der Fa.Tindie https://www.tindie.com/products/hcxqsgroup/nanovna-v2/  Etwas kritisch ist die Anpassleitung. Geduld ist angesagt: mit biegen und Abstand verändern kommt man aber zum Ziel. Eine Wetterschutzhaube sollte auf alle Fälle angebracht werden. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

SWR mit nanoVNA V2 gemessen

 

"Murphy" hatte wieder zugeschlagen. Das sollte hier nicht unerwähnt bleiben.

China ist in jeder Hinsicht für Überraschungen gut. Nicht nur dass sie uns Covid 19 beschert haben, nein auch im Elektronikbereich
treiben sie einem die Zornesfalte auf die Stirn. Ich bestellte bei dem berühmten und staatlich subventionierten Versandhandel portofrei
zwei Adapter von N-Buchse auf SMA-Stecker, sogar mit Semi-Rigid-Kabel. Nichts Böses ahnend habe ich die beiden Adapter für meine
QO-100-Outdoor-Anlage in den Schaltkasten eingebaut. Beim Einrichten des Spiegels wunderte ich mich bereits über den schlechten Empfang. Ich muss dazu erwähnen, dass der Standort durch hohe Bäume und Äste von vornherein recht problematisch war.
Auch nach dem mühsamen absägen einiger hohen Äste  wurde es auch nicht besser. Da ich keinen anderen Standort zu Verfügung hatte, legte ich das Projekt einstweilen nochmals auf Eis. Bei einem neuerlichen Test in der Werkstatt stellte ich fest, dass die Angegebene Leistung der PA von 20 W nur etwa 0,5 W betrug. Es folgte eine lange Sucherei nach der Ursache. Letztlich überprüfte ich die Adapter und bin dabei fast vom Stuhl gefallen. Beide Adapter hatten einen fetten Kurzschuss. Nach Auswechseln der Adapterkabel waren am TX die volle Leistung vorhanden und das Empfangssignal war hervorragend.
Was lernen wir daraus?
  Waren Made in China vorher genauesten testen. Oder ein paar Euro mehr ausgeben und von einem seriösen Hersteller kaufen. Nachtrag: Im Januar 2021 bestellte ich mir einen Tiny Sperctrumanalyzer. Beim Anschluss an den PC stellte sich heraus, dass das mitgelieferte USB-Kabel defekt war. Offenbar können Chinesen keine kabel herstellen.

 

TRX Adalm Pluto

Als TRX hatte ich mich für den Adalm Pluto entschieden. Er vereint Sender und Empfänger in einer kleinen Box. Für eine bessere Frequenzstabilität ist es allerdings erforderlich, dass der eingebaute 40 MHz TCXO gegen eine stabilere Version mit 0,2 ppm ausgetauscht wird.
Ursprünglich wurde der Adalm Pluto als ein Lernmodul für Schüler und Studenten von der Fa. Analog Devices entwickelt.
https://wiki.analog.com/university/tools/pluto
Dank der genialen Software „SDR Console“ von Simon Brown G4ELI ist es möglich, einen hervorragenden TRX mit dem Pluto auf zu bauen.
Die Software ist kostenlos – Simon würde sich über eine Spende für seine aufwändige Arbeit sehr freuen.
Hier geht es zum Software-Download:
https://www.sdr-radio.com/download

Bevor sie den Pluto anschließen, muss zunächst ein passender Windows USB-Treiber installiert werden. Dann kann man bereits loslegen.
Download:
https://github.com/analogdevicesinc/plutosdr-m2k-drivers-win
Über die weiteren Einstellungen der Software "SDR Console" kann ich hier keine Informationen anbieten, das würde den Ramen sprengen.
So ganz "easy" ist die Konfiguration jedenfalls nicht. Ich habe mich mit der Software einige Wochen beschäftigt bis alles so gelaufen ist wie ich es mir vorgestellt hatte. Letztendlich funktioniert aber alles zufriedenstellend. Man muss nur Geduld haben.

                                            

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